Warum der 100-Euro-Haarschnitt kein Luxus, sondern Notwendigkeit ist!
Die Friseurbranche steht 2026 an einem Wendepunkt. Während die Anforderungen an das handwerkliche Können stetig steigen, zwingen uns die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer neuen Form der unternehmerischen Professionalität.
Wer heute einen Salon erfolgreich führen will, muss nicht nur die Schere, sondern auch den Taschenrechner perfekt beherrschen.
Die Grafik verdeutlicht, dass der größte Anteil (über 28%) direkt in die Personalkosten fließt, während die Umsatzsteuer mit über 16 % einen erheblichen Teil des Bruttobetrags ausmacht. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Preise oberhalb der 100-Euro-Marke anzusetzen, um eine gesunde Gewinnmarge von 9% für zukünftige Investitionen zu sichern.
Die neue Realität: Mindestlohn und Kostendruck
Seit dem 1. Januar 2026 liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 13,90 Euro. Für uns als Branche bedeutet das weit mehr als nur eine Lohnanpassung an der Basis. Es verschiebt das gesamte Tarifgefüge: Erfahrene Gesellen und Top-Stylisten müssen entsprechend höher entlohnt werden, um die Lohnabstände zu wahren und den Beruf attraktiv zu halten.
Doch der Lohn ist nur ein Teil der Gleichung. Steigende Energiekosten, höhere Sozialabgaben (mit einer Minijob-Grenze von nun 603 Euro) und die Inflation bei Verbrauchsmaterialien fordern eine radikale Neukalkulation.
Ein Rechenbeispiel, das Augen öffnet
Schauen wir uns einen Standard-Service an: Damen-Haarschnitt (Waschen, Schneiden, Föhnen – 60 Min.).
Um 2026 profitabel zu arbeiten, muss ein moderner Salon einen Stundenverrechnungssatz von mindestens 85,00 € netto ansetzen. Das Ergebnis für den Kunden sieht wie folgt aus:
- Personalkosten inkl. Lohnnebenkosten: ca. 28,50 €
- Fixkosten (Miete, Energie, Marketing): ca. 22,00 €
- Material & Tools: ca. 7,50 €
- Unternehmerlohn & Vorsorge: ca. 18,00 €
- Gewinnmarge (10% für Reinvestitionen): ca. 9,00 €
- Netto-Preis: 85,00 €
- Brutto-Endpreis (inkl. 19% MwSt.): 101,15 €
Dieses Beispiel zeigt deutlich: Ein Preis unter 100 Euro für eine volle Stunde Meisterleistung ist im Jahr 2026 kaum noch wirtschaftlich darstellbar, wenn man Rücklagen für die Zukunft bilden will.
Die drei Säulen des Erfolgs 2026
Um diese Preise am Markt durchzusetzen, setzen erfolgreiche Betriebe auf drei Strategien:
- Time-based Pricing: Weg von starren Geschlechterpreisen, hin zur Abrechnung nach Zeitaufwand. Das ist fair, transparent und schützt vor "Gratis-Überstunden" bei aufwendigem Haar.
- Technologische Effizienz: Die Integration von KI-Agenten für die Terminplanung oder digitale Beratungstools spart Zeit in der Verwaltung, die wir am Kunden produktiver nutzen können.
- Transparente Kommunikation: Kunden verstehen Qualität, wenn wir sie erklären. Fachkräftemangel bekämpfen wir nur, wenn wir zeigen, dass wir faire Arbeitgeber sind.
Fazit der Meisterschule Studio Weiden
Der Meisterbrief ist 2026 mehr denn je ein Qualitätssiegel für betriebswirtschaftliches Know-how. Wir lehren nicht nur, wie man den perfekten Stufenschnitt oder einen Shag 2.0 kreiert, sondern auch, wie man ein Unternehmen führt, das seine Mitarbeiter wertschätzt und finanziell auf gesunden Beinen steht.
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Download: Allgemeine Checkliste für die Preiskalkulation 2026 |


